Geschichte

Vor der Eingemeindung war Oerlikon eine selbständige Gemeinde. Wie selbständig war sie wirklich? Bis 1799 genoss Oerlikon, wie andere Landgemeinden auch, eine gewisse Selbstverwaltung. Der Ort gehörte zur Obervogtei Schwamendingen, die 1791 die Dörfer und Weiler Dietlikon, Dübendorf, Dübelstein, Glattbrugg, Gockhausen, Geeren, Kämmaten (Dübendorf), Köschenrüti, Oberhausen (Opfikon), Oerlikon, Rieden (Wallisellen), Rietmüli (Dietlikon), Schwamendingen, Seebach und Stettbach umfasste.

Da die meisten Gewerbe auch auf dem Land ausgeübt werden durften waren die Landleute in dieser Hinsicht nur wenig eingeschränkt, sie durften allerdings nicht in der Stadt Aufträge ausführen und ihre Waren nur an wenigen Markttagen in der Stadt feilbieten. Allerdings lag Oerlikon wohl während einiger Jahrzehnte auch innerhalb des durch Kreuzsteine markierten Stadtbanns, wo die Ausübung eines Handwerks Zunftmitgliedern vorgehalten war. In einem Ratsprotokoll vom 18. Mai 1502, werden die Marchen und ihre topografische Lage aufgeführt. Danach lag Oerlikon innerhalb des durch neue Kreuze markierten Bereichs, denn im Protokoll heisst es „das núw krúcz usserthalb by Oerlikon, zwúschen Oerlikon und der Bincz müly, stat noch ufrecht“, aber auch – einschränkend – „das es bi den alten Krúczen bliben und indert den selben keiner kein hantwerch oder einichen gwärb, so in zúnft dient, tryben söll, er habe dann ein zunfft“. Ob überhaupt und wie weit die durch den Stadtbann auferlegten Einschränkungen Oerlikons Entwicklung behinderten, ist ungewiss. 1799, während der Helvetik, wurde Oerlikon mit Schwamendingen zur Munizipalgemeinde Schwamendingen zusammengefasst. Unser Dorf war also schon damals nur noch Teil einer grösseren Gemeinde.
Unter den beiden Zivilgemeinden kam es aber immer wieder zu Reibereien. Armin Bollinger erwähnt in seinem Buch „Oerlikon, Chronik einer Zürcher Gemeinde“, ein Schwamendinger Gesuch von 1835 für eine Teilung. Darin wird auf die „unfreie Bindung“ und die „dadurch unverhältnismässig erschwerte Geschäfts-führung“ hingewiesen. Es sei in Schwamendingen und Oerlikon fast nicht mehr möglich, die nötigen Männer zur Besetzung des Gemeinderates zu finden! Dieses Gesuch und auch verschiedene, spätere wurden abgelehnt und erst die Annahme des „Gesetzes über die Einteilung des Kantons“ durch die Stimmberechtigten Mitte April 1872, brachte am 1. Mai desselben Jahres Oerlikon die Rechte einer politischen Gemeinde.
Die Selbständigkeit währte allerdings nur etwas mehr als 60 Jahre. Entsprechend einem im Juli 1931 angenommenen Gesetz, wurde Oerlikon, das sich lange dagegen gewehrt hatte, zusammen mit weiteren sieben Vororten, auf den 1. Januar 1934 der Stadt Zürich einverleibt. Im nachfolgenden Artikel werden die einzelnen Schritte, welche zur Eingemeindung führten, ausführlich beschrieben. 

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Ausschnitt aus der „Karte des Kantons Zürich aus dem Jahr 1667 in 56 Blättern von Hans Conrad Gyger“.

Gygerkarte
Der Ausschnitt aus der Kantonskarte von 1667 von Hans Conrad Gyger zeigt Oerlikon und seine Umgebung. Die roten Punkte markieren die Vogteigrenzen. Die Grenze des Stadtbanns, die damals süd-lich des heutigen Schaffhauserplatzes durchging, also ganz rechts auf unserem Ausschnitt, ist nicht eingezeichnet.
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